Stolpersteine

Wenn stolpern erwünscht ist

Über etwas stolpern, irritiert sein, stehen bleiben, nachdenken. Die Klassen FOG und FOW 16-2 haben sich kürzlich im Rahmen des Deutschunterrichts einem solchen Stolpern „ausgesetzt“. Es ging anhand eines Romans um Erinnerungen an Menschen – daraus abgeleitet dann um literarische, individuelle und eben auch gesellschaftliche Umsetzung von Erinnerungsarbeit.

Sicher haben viele schon einen dieser Steine mit einer gravierten Messingplatte bemerkt, die an vielen Stellen in Dresden auf Fußwegen in den Boden eingelassen sind. Auf ihnen stehen Namen, Geburtsdaten und dann Vermerke wie „Deportiert am…“ und „Ermordet in …“. Der Name Auschwitz taucht dabei besonders häufig auf.

Das Projekt Stolpersteine e.V. ist inzwischen deutschlandweit etabliert. Seine Initiatoren suchen nach Wohnadressen von in der NS-Zeit deportierten und ermordeten Juden. Menschen jüdischen Glaubens, die bis in die 1930er Jahre in selbstverständlicher Nachbarschaft mit ihren Mitmenschen lebten, die Freunde waren, als geschätzte Kollegen galten, in allen möglichen Berufen arbeiteten und einen selbstverständlichen Teil ihrer jeweiligen Stadt- und Gemeindebevölkerung  ausmachten. Viele der Männer unter ihnen hatten am Ersten Weltkrieg auf deutscher Seite teilgenommen.

Im Zuge der nationalsozialistischen Rassenideologie und der darin exponierten Judenverfolgung wurden diese Menschen plötzlich Opfer eines systematisch organisierten Terrors durch die Nationalsozialisten. Antisemitismus von staatlicher Seite, aber auch Alltagsantisemitismus, verbreitete Diskriminierung wurden zur Normalität in Deutschland wie auch in den besetzten Gebieten und gipfelten schließlich in Deportationen und einer industriell konzipierten Massenvernichtung. Wir bezeichnen diesen Zivilisationsbruch heute als Holocaust. In diesem Zusammenhang  würdigen wir auch jene, die sich selbst in Gefahr brachten, um jüdische Mitbürger zu schützen.

Am 15. März diesen Jahres wurden in Dresden mehrere Stolpersteine verlegt, eine Gesamtübersicht aller bisher verlegten Steine findet sich auf der Seite www.stolpersteine-dresden.de . Die Klassen FOG und FOW 16-2 und Herr Dr. Buschmann wohnten der Verlegung für Robert und Martha Schein (beide Jg. 1876) in der Königsbrücker Straße 25, der ehemaligen Wohnadresse des Ehepaares, bei. Die Scheins waren im Februar 1945 noch nicht deportiert worden, aber ihnen wurde am 13.02.1945 der Zugang zu Luftschutzkellern untersagt, weil sie Juden waren.  Beide kamen in der folgenden Nacht bei den Bombenangriffen auf die Stadt ums Leben.

Text und Bilder: Dr. Mirko Buschmann

Die Klasse FOG/FOW 16-2 unterwegs zu den Stolpersteinen.
Diese Steine wurden frisch verlegt.
Hier werden die Steine eingesetzt.

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