Gespräche zwischen den Welten?

Wie ist das, mit Überlebenden der Judenverfolgung und mit aktuell verfolgten Juden zu sprechen?

Wissen wir, in welchen Ländern auch heute Verfolgungen aus religiösen und nationalistischen Gründen stattfinden?

Wo können sich Juden heute sicher fühlen?

Warum spielt so etwas für uns eine Rolle?

Solchen Fragen wollen die Berufsschüler der Privaten Schule IBB am 15. Mai mit Juden aus der Ukraine nachgehen. Einige von ihnen haben noch die deutsche Besatzung 1941 miterlebt und sind inzwischen über neunzigjährig. Sie sind geradezu beseelt davon, jungen Menschen ihre Erinnerungen weiterzugeben. Andere sind deutlich jünger, sahen sich aber gezwungen, vor neuem Judenhass und Nationalismus aus ihrem Land zu fliehen.

Wir sind gespannt und freuen uns auf eine Begegnung mit dem Jüdischen Frauenverein Dresden e.V., auf Gespräche zwischen vollkommen verschiedenen Lebenswelten und Erfahrungshorizonten. (Dr. Mirko Buschmann)

 

Nach der Begegnung:

Eintrag in das Gästebuch des „Vereins jüdischer Frauen in Dresden“

Der Verein jüdischer Frauen war so freundlich, kurzfristig in Kooperation mit SchülerInnen und LehrerInnen der IBB die Ausstellung in unserer Schule zu organisieren und ein Treffen mit den Zeitzeugen zu ermöglichen.

Als Ethiklehrer nutzte ich die Gelegenheit, den Schülern zweier Berufsschulklassen Aufgaben zu stellen, die mithilfe der Ausstellung und durch Befragen der Zeitzeugen zu bearbeiten waren.

Als kleinen Einblick in die Ergebnisse dieser Ausarbeitungen darf ich sagen:

Nicht nur wir Lehrer – auch die Schüler sind durchwegs sehr bewegt.

Am meisten beeindruckt die Schüler Folgendes an unseren Gästen:

  • Hier werden Schicksale von leibhaftig vor uns anwesenden Menschen beschrieben!
  • Viele waren schon im jüngsten Kindesalter mit diesen schrecklichen Erfahrungen konfrontiert.
  • Viele wurden über Jahre und Jahrzehnte damit gequält.
  • Viele haben wichtige Teile ihrer Familien und Beziehungen auf tragische Weise verloren.
  • Viele hatten über lange Zeiten hinweg keine Aussicht, dass einmal „alles wieder gut“ würde.

Aber – und das ist jetzt das Entscheidende und Beeindruckendste:

Sie haben bei alledem nie aufgegeben!

Sie haben weder sich selbst aufgegeben, noch Ihren Lebensmut noch Ihren Sinn für Humor.

Und am Erstaunlichsten: Sie haben trotz allem nie den Glauben an das Gute im Menschen aufgegeben.

Das war, als könnten die jungen Menschen damit aufatmen und auch den Glauben an die Zukunft und an sich selbst und das eigene Streben und Wirken mit neuem Mut fassen.

Es war, als würden durch Sie diese Schwere, Leid und Trauer regelrecht gewandelt – in Dankbarkeit und Leichtigkeit in frohe Zuversicht. Das gibt Kraft zu einem Engagement für diese erkannten Werte.

Dafür danke ich Ihnen von ganzem Herzen!

Ich bin sicher, Ihr Ziel, durch solche Begegnungen „Menschenzeugen von Zeitzeugen“ zu erzeugen haben Sie damit – bei uns jedenfalls – erreicht.

Mit den allerbesten Wünschen für Ihr weiteres Wirken,

Gerhard Peter

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