Fachoberschule Gestaltung

Unsere Schülerinnen des ersten Jahrgangs der Fachoberschule für Gestaltung befinden sich im zweiten und letzten Jahr ihrer Ausbildung. Die Erfahrungen des ersten Schuljahres - mit zwei Tagen Unterricht und drei Tagen im Praxisbetrieb - werden angewandt und erweitert. In den nun wieder fünf Tagen Schule pro Woche ist vor allem viel Zeit für die Profilfächer künstlerisch-ästhetische Praxis sowie Kunst-und Kulturgeschichte und die Schülerinnen können ihre Leidenschaft für kreative Auseinandersetzung voll ausleben.

 

Im Lernbereich 2 erfolgt das Übertragen von Kenntnissen zu unterschiedlichen Werkstoffeigenschaften auf komplexe Gestaltungszusammenhänge. Wir untersuchen Aufbau und Struktur von Werkstoffen, ihre Eigenschaften, den Charakter und die Möglichkeiten der Materialien. Der große Themenkomplex des dreidimensionalen Gestaltens und der Bildhauerei bietet jede Menge spannende Lerninhalte.

 

Um ein intensives Materialgefühl zu entwickeln werden Vorzeichnungen gemacht und die Ideen dann zuerst in Ton umgesetzt. Ergänzende Experimente mit Draht, Speckstein und Gips verdeutlichen die Vor- und Nachteile der einzelnen Werkstoffe. (Bilder 1 und 2)

Anatomisch korrekt gelingen Arbeiten, die den Menschen zum Thema haben, am besten mit Modellen. Weiß man, wo unter der Kleidung und Haut, Muskelstränge und Knochen liegen, versteht man auch leichter die Dynamik einer Zeichnung und die Bewegungs- und Darstellungsmöglichkeiten von modellierten Figuren. (Bild 3)

Bei  Exkursionen ins Albertinum stellen wir kunstgeschichtliche Zusammenhänge zur Arbeit in der Schule her, holen uns Ideen, dürfen einen Blick in die Restaurierungswerkstatt der Skulpturensammlung werfen und lernen hautnah die Arbeit der Wissenschaftler und verschiedene Museumsberufe im Umgang mit Werken von Bildhauern kennen. Kuratorin? Restauratorin? Konservatorin? Ausstellungsdesignerin? Vielleicht wird das ja auch eine von unseren Schülerinnen. (Bild 4)

Voller neuer Eindrücke wollten wir hochwertige Bronzeplastiken erstellen und uns dabei die IBB–Logofigur als Vorbild nehmen. (Bild 5) Im November 2017 machten wir eine Exkursion zur Bronzegießerei Ihle im Dresdner Industriegelände um alles über die technische Herangehensweise bei großformatiger Bildhauerei, sowie über regionale Besonderheiten und herkömmliche Gießtechniken zu erfahren. In der Werkstatt lernten die Schülerinnen Werkzeuge und unterschiedliche Bearbeitungsverfahren kennen. Neben den klassischen Methoden durften wir auch hochmoderne 3D-Scanner und 3D-Drucker ausprobieren und in Aktion erleben. (Bilder 6 bis 9) Unsere in der Schule erstellten Wachsmodelle für die Bronzegüsse der IBB-Logofiguren wurden im  Dezember 2017 in die Abformwerkstatt gebracht. (Bild 10)  Dort wurden sie mit einem Eingusssystem versehen, in Abformmasse eingegossen und im Ofen erhitzt.

Dadurch schmilzt das Wachs und gibt den Hohlraum frei, den später die flüssige Bronze ausfüllt. Die Gussformen waren erstellt. Im Januar 2018 erfolgte dann der Bronzeguss. (Bild 11) Ist die Bronze erkaltet und die Form entfernt, ist zu sehen, ob der Guss gelungen ist. Frisch aus der Form geschlagen sahen unsere Figuren noch recht wild aus. (Bild 12) Schön auf dem Foto zu erkennen ist das Eingusssystem, das nun auch in Bronze abgebildet ist. Die überschüssigen Kanäle wurden entfernt, grobe Unebenheiten beseitigt und die Figuren bei Bedarf ziseliert. Dann wurden die Arbeiten poliert und bekamen die gewünschte Patina. ( Bild 13)

Vollendet und in der Schule angekommen bereichern die Arbeiten nun das Schulleben. Stehen die Figuren im öffentlichen Raum, gewinnen sie sehr an Ausstrahlungskraft und Energie, wenn sie oft bewundert und angefasst werden. (Bilder 13 bis 15) Die Patina wetzt sich sanft ab, beginnt dezent matt zu glänzen und die jungen Künstlerinnen sehen gut, welche Stellen die Betrachter besonders faszinieren. Inzwischen sind die Figuren zu kleinen Maskottchen des Schulalltags geworden und es wird erzählt, dass es Glück bringt sie zu berühren. Einen Versuch ist es wert und das wunderbare Gefühl, künstlerisch und handwerklich verarbeitete Bronze unter den Fingern zu spüren, ist auf jeden Fall ein schönes Erlebnis. 

 

Dozentin, Fotos und Text: Bianka Stübing

(Bild 1) Kristin modelliert einen Tänzer. Unter der Tonschicht stütz ein Drahtgestell die filigrane Figur.
(Bild 2) Die Vorzeichnungen zeigen verschiedene Perspektiven. An ihnen orientiert sich die Schülerin, wenn sie die Figur auf dem drehbaren Gipssockel von allen Seiten optimiert.
(Bild 3) Lisa mit unserem Modell. Das Skelett leistet uns wertvolle Dienste bei der Darstellung menschlicher Figuren.
(Bild 4) Konservatorin Astrid Nielsen ermöglicht uns einen Besuch in der Restaurierungswerkstatt der Skulpturensammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.
(Bild 5) Für unsere Bronzeplastiken orientierten wir uns an der IBB-Logofigur.
(Bild 6) Der Metall- und Glockengießer Christian Baumgärtel erklärt uns die technischen Abläufe in der Bronzegießerei.
(Bild 7) Große Kunst – bis die Fachoberschülerinnen solche großformatigen Arbeiten erschaffen können, ist noch einige Übung nötig.
(Bild 8) Faszinierend sind die Vielzahl an Werkzeugen und die Logik und das Ineinandergreifen der technischen Abläufe.
(Bild 9) Neben der jahrtausendealten Kulturtechnik des Bronzegusses beschäftigen wir uns auch mit hochmodernen Verfahren wie dem 3D-Scan und 3D-Druck.
(Bild 10) Unsere fertigen Wachsmodelle. Abformer und Bronzegießer fertigen nun aus den empfindlichen Figuren robuste kleine Kunstwerke.
(Bild 11) Ein entscheidender, berührender und spannender Moment – der Bronzeguss erfolgt.
(Bild 12) Voilà! Siehe da! Unsere sogenannten Rohgüsse. Frisch aus der Form geschlagen sehen unsere Figuren noch recht wild aus. Schön zu erkennen hier ist das Eingusssystem, das nun auch in Bronze abgebildet ist.
(Bild 13) Zum Schluss bekommen auch unsere Figuren, wie hier an einer anderen künstlerischen Arbeit zu sehen, noch eine Politur und die bronzetypische Patina.
(Bild 14) Mellissas fertige Figur hat ihren festen Platz an unserem Empfangstresen gefunden.
(Bild 14) Leonies Figur ist auf dem Lehrertisch im Kunstzimmer montiert und bereichert das Schulleben.
(Bild 15) Anfassen erwünscht: ob Vorstellungsgespräch, Klassenarbeit oder Abschlussprüfung – die Schüler erzählen sich, wer die Figuren berührt, hat besonderes Glück bei seinen Vorhaben.

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